Pfarrerin Nicola Bültermann-Bieber, Copyright: AW „Nie war es so wichtig, gemeinsam allein zu sein, um auf alle aufzupassen“, so titelte DIE ZEIT vor wenigen Tagen. Hinter uns liegen die ersten zwei Wochen, in denen wir weitgehend zuhause geblieben sind, gemeinsam allein. Zwei Wochen, in denen Nachrichten über den Verlauf der Corona-Krankheit dramatischer wurden. Weltweit breitet sich der Virus aus. Der Kampf dagegen ist zur weltweiten Menschheitsaufgabe geworden.

Über alle Grenzen hinweg wird nach einem Impfstoff gesucht. Es gilt, die Zeit bis zu seinem Einsatz so zu gestalten, dass möglichst viele gesund bleiben und die Kranken möglichst gut versorgt werden können. Deshalb: zuhause bleiben.

Wir fühlen uns hilflos, haben Angst, wenn wir die Bilder aus Italien sehen. Wir sorgen uns um Angehörige. Wir hören von Erkrankungen auch in unserer Nähe, von Menschen, die wir kennen. Menschen sterben, auch bei uns.

Den Alltag neu gestalten - verantwortlich Handeln

Unser aller Alltag hat sich rasant verändert. Manches wird langsamer und weniger. Viele spüren zugleich eine neue Form des Alltags-Stresses im Neben- und Miteinander von Home-Office und Home-Schooling. Andere gehen der Arbeit an ihren Arbeitsplätzen nach – fast wie immer, und doch so anders. Wieder andere haben keine Arbeit mehr und kämpfen mit finanziellen Sorgen.

Dankbar bin ich in diesen Tagen, dass so viele den Ernst der Lage sehen und den Hinweisen zu Distanz und Hygiene nachkommen, um die Ausbreitung auszubremsen. Dankbar bin ich allen, die die Infrastruktur aufrechterhalten im Gesundheitswesen, im Einzelhandel, im öffentlichen Dienst. Dankbar bin ich den Verantwortlichen in der Politik, die gerade viele Aspekte abwägen müssen in einer Situation, die auch für sie in dieser Dimension neu ist. Dankbar bin ich, dass wir gemeinsam die Herausforderungen bislang überwiegend bewältigen können.

Wir hören: es ist die Ruhe vor dem Sturm.
Die kommenden Wochen werden uns herausfordern, in vielerlei Hinsicht.
Wie können wir uns unterstützen, gemeinsam- allein?

Kirche ist da - auch jetzt.

Hier auf der Homepage tragen wir Angebote zusammen, um als Einzelne in der Kirchengemeinde miteinander im Kontakt zu bleiben.

Am letzten Sonntag haben zum ersten Mal die Glocken nach der neuen Läuteordnung geläutet: um 9 Uhr und um 15 Uhr die Glocken unserer evangelischen Kirche und um 12 Uhr und um 18 Uhr die Glocken der katholischen Liebfrauenkirche. In ökumenischer Gemeinschaft haben wir den Sonntag gemeinsam erlebt. Gebetstexte, die auf der Internetseite und in den Schaukästen zu finden sind, machen Beten mit gemeinsamen Worten möglich.

In Gemeinschaft verbunden trotz Abstand voneinander

Und jeden Abend um 19 Uhr weiß ich mich mit Menschen in Ober-Ramstadt und in ganz Deutschland verbunden im Gebet und in der Musik, beim „Balkonsingen“ von „Der Mond ist aufgegangen“. Das sind Zeichen und Gesten der Verbundenheit, die uns spüren lassen: wir können uns unterstützen und stärken, auch jetzt. Durch sie können wir etwas vom Trost und von der Zuversicht spüren, die Gott uns schenken kann in diesen Wochen des Sturms.

„Wir sitzen alle im gleichen Boot“, so hat Papst Franziskus am vergangenen Freitag die biblische Geschichte von der Sturmstillung in die Gegenwart übersetzt. Gemeinsam sind wir aufgerufen zu rudern, einander beizustehen.

„Rudern“ bedeutet für mich in diesen Wochen: Distanz wahren, um Ansteckung zu vermeiden, aber dennoch Wege suchen, um füreinander da zu sein, am Telefon, in nachbarschaftlichem Miteinander, mit den Gaben und Fähigkeiten, die ich habe. Das wird auch bedeuten, die Hilflosigkeit und Ratlosigkeit miteinander aushalten angesichts von Krankheit und Tod. Und es darf bedeuten, gemeinsam auf Gott zu vertrauen, der verspricht uns zu begleiten, was auch geschieht.

Dem Sturm der Angst will ich in dieser Zeit entgegenrudern z.B. mit Balkonsingen - und beim Beten, gemeinsam mit Ihnen!

Eine behütete Woche wünscht Ihnen, auch im Namen von Pfarrerin Vera Langner,
Pfarrerin Nicola Bültermann-Bieber

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